Hilfs- und Spendenaktion und Transport in die Ukraine

 Ausgelöst durch diese unglaublichen Bilder aus der Ukraine entstand die Idee, den Menschen dort vor Ort zu helfen. Also rief ich meinen Freund Fabio Jochum an, um ihn zu fragen, was er von dieser Idee hält und Fabio sagte spontan zu, mir zu helfen und mit mir zusammen diese Hilfsaktion durchzuführen.

Seit Jahren organisieren und begleiten Fabio und ich (gemeinsam mit weiteren Kollegen des DRK Hüttigweiler-Hirzweiler e.V.) einen Hilfstransport nach Lipova (Rumänien), welcher sich dieses Jahr zum 30. Mal wiederholen wird. Hieraus resultierte der Plan, unsere somit langjährigen Kontakte in Lipova in dieses Projekt zu integrieren. Lucian Fenesan aus Lipova sagte sofort zu, uns zu helfen.

Nach einigen Telefonaten stand ein Plan: Wir sammeln hier vor Ort  Geldspenden und Lucian erfragt über bestehende Kontakte, was vor Ort an der Grenze benötigt wird. So kristallisierte sich heraus, dass dort haltbare Lebensmittel (Konserven), Hygieneartikel, Pampers etc., aber auch warme Wäsche, insbesondere für die in der Ukraine verbliebene männliche Bevölkerung, gewünscht und benötigt wird.

Nun entwickelte sich eine unglaubliche Eigendynamik unseres Spendenaufrufes. Viele unserer Freunde leiteten den Spendenaufruf wiederum weiter an ihre Freunde und so kam innerhalb kürzester Zeit ein unglaublicher Betrag von über 11.000,00 Euro zusammen.
WAHNSINN !

Am Donnerstag, den 10.03.2022 packten wir den Sprinter mit ca. 80 Kisten voller Baby- und Kleinkinderbekleidung, Spielsachen, Hygieneartikeln, Decken etc. und am Freitag, den 11.03.2022 ging es dann los auf die Reise. Mit einer Übernachtung in Ungarn erreichten wir so am Samstag (12.03.2022) am späten Nachmittag unser „Zwischenziel“ Lipova. Dort trafen wir uns mit Lucian um die Lage zu besprechen. Lucian war fleißig und hatte in unserem Auftrag bereits mehrere Hilfsgüter bestellt (5700 Bohneneintopfkonserven, 5500 Fischkonserven, haltbare portionierte Backwaren, 6000 Wurstkonserven, 1000 Streichwurstkonserven, 2400 Portionsbeutel Instantkaffee, 720 Dosen Energiedrink, insgesamt 1200 Stück Unterwäsche und Socken sowie diverse Hygieneartikel). Vor Ort kauften wir sodann in zwei örtlichen Supermärkten alle dort vorrätigen Pampersbestände sowie Babynahrung.

Am Montag (14.03.2022) waren wir zunächst beim Bürgermeister (Florin Pera) und Citymanager (Mircea Jicichi) der Stadt Lipova eingeladen um unsere Hilfsaktion zu besprechen und am Nachmittag wurden die Hilfsgüter (mehr als 3 Tonnen) auf zwei Sprinter verladen. Hierbei hat uns der örtliche Bäcker und Lebensmittelhändler Timi Stangioiu (bei dem wir auch die Hilfsgüter geordert hatten) unterstützt und spontan und unkompliziert seinen Sprinter kostenlos für den Transport zur Verfügung gestellt. Er selbst hat uns auch an die Grenze begleitet und alle Spritkosten für den Sprinter übernommen.

Nach einer kurzen Nacht starteten wir morgens früh um 5 Uhr gemeinsam mit Mircea Jicichi, Lucian Fenesan und Timi Stangioiu unsere Weiterreise. Nach 8 Stunden erreichten wir unser Ziel, die Grenzstadt Sighetu Maramatiei. An der Stadtgrenze wurden wir vom dortigen Citymanager empfangen und zur städtischen Sporthalle geleitet. Diese große Halle wird derzeit als Zwischenlager genutzt, so dass auch unsere Hilfsgüter dort sofort -unter Mithilfe vieler fleißiger freiwilliger Helfer vor Ort- ausgeladen und verräumt wurden. Ein Teil der Hilfsgüter wurde sofort
auf andere ukrainische Fahrzeuge umgeladen und unverzüglich weitertransportiert.

Von dem Zwischenlager in Sighetu Maramatiei starten ständig die mit Hilfsgütern beladenen Kleinbusse in die Ukraine, da dieser Grenzübergang über den Fluss Theiß nur mit Fahrzeugen mit einer Maximalbelastung von 3,5 Tonnen befahren werden darf. Ziel dieser Transporte ist ein weiteres Zwischenlager unmittelbar hinter der Grenze auf ukrainischer Seite. Dort befindet sich ein Krankenhaus, in welchem u.A. auch Flüchtlinge behandelt werden sowie eine Zeltstadt, in der Flüchtlinge Zuflucht finden und versorgt werden. Sowohl das Krankenhaus als auch die Zeltstadt werden aus diesem Lager versorgt. Des Weiteren starten von diesem Lager aus größere LKW`s mit benötigten Hilfsgütern ins Inland, um dort die Bevölkerung zu unterstützen und zu versorgen.

Nach dem Ausladen der Sprinter ging es zusammen mit dem Citymanager und unserer
Hilfsmannschaft direkt an den Grenzposten. Was wir dort gesehen haben, lässt sich nur schwer in Worte fassen.
Zur Zeit passieren dort täglich ca. 1000 Flüchtlinge (nur Frauen, Kinder und
ältere Männer) die Grenze. Diese werden dort registriert und sodann mit allem Benötigtem versorgt (bei Bedarf auch medizinisch). An der Grenze sind verschiedene Hilfsorganisationen mit ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern tätig (z.B. Rotes Kreuz, Unicef, Malteser, örtliche Kirche…). Die meisten Flüchtlinge reisen unverzüglich weiter.

Hier hilft die rumänische Bevölkerung unkompliziert und verbringt die Flüchtlinge mit eigenen PKW´s zu den von diesen gewünschten Orten. Teilweise werden sie auch an der Grenze von Bekannten/Verwandten abgeholt. Weitere werden von der Kommune -ähnlich wie bei uns- in Gastfamilien, Pensionen etc. untergebracht.

Nach einer Übernachtung in der Grenzstadt wurden wir am nächsten Tag von dem örtlichen Bürgermeister(Vasile Moldovan) empfangen. Er berichtete uns Näheres über die Hilfsarbeit vor Ort und die vielen Probleme, die es dort zu lösen gilt. Danach ging es auf die lange Rückreise über Lipova (Übernachtung), dann Ungarn und Österreich nach Bayern (Übernachtung) und sodann wieder nach Hüttigweiler, wo wir nach einer langen Reise am Freitag (18.03.2022) wieder zurückkehrten.

Insgesamt haben wir ca. 3700 km zurückgelegt.
Auf unserer Reise haben wir auf die unterschiedlichste Art und Weise unerwartete
Unterstützung erhalten.

Wir sind froh, dass wir diese Idee umsetzen konnten und freuen uns, mit dieser Aktion einigen Menschen geholfen zu haben.

VIELEN DANK AN ALLE, DIE UNS UNTERSTÜTZT HABEN !!!

Ausblick:
Nächste Woche startet ein Hilfstransport (35-Tonnen-LKW) des Deutsch-Rumänischen
Freundeskreises e.V. ab Klarenthal nach Lipova. Mit diesem Transport werden auch 3 Palletten Lebensmittel nach Lipova gebracht, die von dort aus von Lucian Fenesan nach Sighetu Maramatiei gebracht werden.

Wir werden uns auch künftig engagieren und für die gute Sache einsetzen.

Autor: Thomas Keßler